Waves Vienna 2019: Jünger, Punkiger und Internationaler

Von 26. -28. September ging die neunte Ausgabe des größten Showcasefestivals in Österreich über die Bühn(nen). In und um das Wiener WUK standen an die einhundert Acts auf zehn Bühnen. Untertags wurden in den Panels der Conference aktuelle Musikthemen diskutiert und bei den Receptions der nationalen Musikexportagenturen internationale Talente vorgestellt. In der Nacht war es Zeit für die Konzerte. Und übrigens, der X-Award Sieger 2019 heißt Anger.

Es waren wieder drei sehr intensive Tage, die sich in und um das WUK letzte Woche abspielten. Von Donnerstag Nachmittag an waren es die Bands aus aller Herren Länder, die im Fokus standen. Neben den Schwerpunktländern Ungarn und Schweden, die mit großen Delegationen ihrer Music Export Agenturen anreisten, war auch die israelische Export Agentur erstmals dabei.

Die Waves Conference: Workshops, internationale Gäste und bunte Bands

Schon vor der offiziellen Eröffnung der Conference gab es zwei Panels, die im WUK besucht werden konnten, einen über das Projekt N8BM zur Etablierung eines „Nachtbürgermeisters“ für Wien, um Konflikte zwischen Anrainern und den Nachtlokalen in Wien schon in der Planungsphase zu entschärfen. Parallel dazu gab es einen Vortrag über die Zukunft der Musikkomposition unter Einsatz von AI.

20190927 Waves Vienna conference 8 Sabina Interview (c) Fabio H. Cesario
Roddy beim Interview mit Sabina (c) Fabio H. Cesario

Nach der Eröffnung präsentierte sich Israel erstmals auf dem Waves Vienna Festival mit einer Darbietung der Pop-Sängerin und Songwriterin Sabina aus Tel Aviv, die dankenswerterweise trcks.net für ein kurzes Interview zur Verfügung stand. Parallel dazu präsentierte Nordrhein-Westfalen dieses Jahr Kaleo Sansaa.

Der Freitag Vormittag stand wieder im Zeichen der Panels. Dieses Mal wurde über Frauen und ihre Rolle in der Musikproduktion diskutiert, die Schweden und die Ukrainer luden zu ihren Empfängen. Letztere überraschten mit einer Performance des Country/Folk Musikers Sasha Boole. Nach dem Lunch ging es weiter mit einem interessanten Panel zur Frage, was die Herausforderungen sind, um als Europäer im asiatischen Musikmarkt Fuß fassen zu können. Am Nachmittag standen wieder die Präsentationen der Tschechen, der Schweizer, die dieses Jahr mit einem interessanten Elektronik-Pop Duo Ikan Hyu aufwarteten, und der Bayrischen Agentur, die zu Leberkäse und Weizenbier die Newcomer Telquist und Mola servierten.

20190928 Waves Vienna conference 16 My Ugly Clementine (c) Roddy McCorley
My Ugly Clementine (c) Roddy Mc Corley

Die alljährliche Austrian Heartbeats Delegates Tour schloss auch dieses Jahr das Konferenzprogramm am Samstag ab. Vom Collegium Hungaricum fuhr der Bus ins Funkhaus, wo die österreichsiche Band My Ugly Clementine aufgeigte, gings ins SAE, wo stolz die neuen Studioräumlichkeiten vorgeführt wurden und Dramas ein Kurzset spielte. Es folgte die Schwedische Präsentation mit Two Year Vacation, bevor es wieder zurück ins WUK zur German Music Export Reception mit John Moods ging.

Das Festival

20190926 Waves Vienna Festival 3 Das Moped (c) Roddy McCorley
Das Moped (c) Roddy Mc Corley

Wie jedes Jahr war es für eine Person unmöglich auch nur einen Teil der interessantesten Konzerte zu besuchen, da durch zehn Bühnen oft viele Acts gleichzeitig ihren Slot hatten. So musste wieder selektiert werden. Am Donnerstag führte mich das Line-Up zu Das Moped. Eine durchaus interessante Indie-Pop-Rock Formation mit Mundarttexten performte da auf der Open Air Stage, ein guter Einstieg, aber es sollte noch mehr kommen. Im WUK Foyer war es dann Zeit für Mayberian Sanskülotts aus dem Schwerpunktland Ungarn, die genauso wie Das Moped noch stilistisch poppiger daher kamen. Auch bei Sketches on Duality war von der angekündigten Punkwelle am Waves Festival noch nicht viel zu merken, doch die jazzige Hip-Hop-Rap Mischung der Wiener Band war durchaus spannend.

Mit zunehmender Stunde wurde es Zeit für die Petrol Girls, eine in England gebildete Band mit Bandmitgliedern aus Lettland und Österreich, sie zeigte was man derzeit unter Post-Hardcore-Girlie-Punk versteht. Sehr beeindruckend, nicht nur musikalisch, auch politisch ein sehr gut konzipiertes Projekt. Den Ersten Tag beendete ich mit Kerosin95, dem Rap Projekt von Kathrin Kolleritsch, die am Samstag bei My Ugly Clementine als Schlagzeugerin den Konferenzteilnehmern wieder begegnen sollte.

20190927 Waves Vienna Festival 37 The Happy Sun (c) Roddy McCorley
The Happy Sun (c) Roddy Mc Corley

Am Freitag verpasste ich wegen eines Interviewtermins leider die Performance von Anger, die ja am Samstag dann den dritten X-Award als bester österreichischer Exportact 2019 gewinnen sollten. Doch sollte ich an späterem Abend noch durch einige druckvolle Rockbands dafür entschädigt werden. Zu fortgeschrittener Stunde war es dann Zeit für die Bühnenperformance von Sabina mit voller Band. Im WUK Foyer machte sich inzwischen schon The Happy Sun, das neue psychodelic, dark, shoegaze and postpunkrock Projekt von Gerhard Potuznik bereit. Endlich eine richtig druckvolle Rhythmusgruppe, die die Frontleute zu einem sehr energiegeladenen Konzert trieb.

Damit war der Abend noch lange nicht zu Ende, denn Bernhard Eder zeigte gleich im darauf folgenden Slot im WUK Foyer, dass die österreichische Szene nicht nur im Elektronik Bereich lebt und über den nationalen Tellerrand schaut. Den krönenden Abschluss setzten auf dieser Bühne dann noch Go!Go!Gorillo!, die wie im Winter bei der Albumpräsentation im Aera keinen Platz für musikalische Kompromisse ließen.

20190928 Waves Vienna Festival 51 Rebecca Lou (c) Roddy McCorley
Rebecca Lou (c) Roddy Mc Corley

Der Samstag des Waves Vienna steht immer im Zeichen der Austrian Heartbeats Tour, wobei viele Teilnehmer oft vergessen, dass wenn der Bus wieder beim WUK vorfährt, noch eine ganze Konzertnacht auf zehn Bühnen bevorsteht. Es ging auch am letzten Tag punkig weiter. Besonders Rebecca Lou aus dem Herzen von Kopenhagen ist zu erwähnen, denn auch diese Lady weiß wie man Punk Rock live auf eine Bühne bringt. Direkt danach holten sich Anger ihren X-Award ab, mal sehen, ob dieser Preis ihrem Projekt zum internationalen Durchbruch verhelfen kann. Mein persönlicher musikalischer Schlusspunkt war die Präsentation von Anna F.s neuem Bandprojekt Friedberg. Somit schloss sich der Kreis mit den Indie Rock Songs der Damenband mit internationalem Anspruch. Es muss ja nicht immer Punk Rock sein.

Das neunte Waves Vienna Festival präsentierte sich musikalisch sehr vielseitig. Im Vergleich zu den letzten Jahren wurde dem Trend zum Punk Rock Rechnung getragen, die elektronische Indieszene war dieses mal schwächer repräsentiert, aber auch poppigere Acts waren durchaus vertreten. Viele österreichische Bands haben dieses Jahr gezeigt, dass sie internationales Format haben. Man darf hoffen, dass das Waves dem heimischen Musikexport einen positiven Schub geben konnte.

Fotos: Roddy Mc Corley

 

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