Prog-Rock statt Skispringen: Mother’s Cake – Live at Bergisel

Vier Jahre nach Off the Beaten Track veröffentlichen die Prog-Rocker Mother’s Cake ihr zweites Livealbum. Wo sonst die ÖSV-Adler landen, brachten im letzten Winter die Tiroler den Schnee zum Schmelzen. Sechs Songs zwischen Progressive-Romantik und Wahnsinn: Live at Bergisel. Mother’s Cake at it’s best.

Wurde in den vergangenen Jahren negative Kritik hinsichtlich der Musik der Tiroler Mother’s Cake laut – was selten passierte –, bezog sie sich zumeist auf die tendenzielle Diskrepanz zwischen ihren Studioalben und ihren Livequalitäten. So hervorragend ihre Alben sein mochten, auf der Bühne brachte das Trio – das sich durch sein Geschick, Psychedelic-Sounds und leichtgängigen Funk mit hartem Psychedelic Rock zu verknüpfen, auszeichnet – stets noch mehr Leben, Energie, Virtuosität in die Songs. Resultat: Ihr 2014 im Innsbrucker Propolis aufgenommenes Livealbum Off the Beaten Track hat unter ihren Fans mittlerweile Kultstatus erlangt – gilt für viele gar als ihre beste Veröffentlichung.

Mother’s Cake bei -10 Grad auf der Skisprungschanze

Jetzt gibt es mit Live at Bergisel ein weiteres Livealbum im Bandkosmos – und für dieses neue Puzzlestück haben sie ein wagemutiges Konzept umgesetzt. In Anlehnung an Pink Floyds Meisterwerk Live at Pompeii haben Mother’s Cake ausnahmsweise auf ihr Publikum verzichtet. In völliger Einsamkeit stellten sich Sänger und Gitarrist Yves Krismer, Bassist Benedikt Trenkwalder und Schlagzeuger Jan Haußels verstärkt durch Keyboarder Andi Haslacher und Percussionist Charly Mair in das Zielstadion der legendären Bergisel-Schanze inmitten der Tiroler Berge. Wo in der Vergangenheit Skisprunggroßmeister Andreas Goldberger, Gregor Schlierenzauer, Janne Ahonen und Adam Malysz die Wintersportfans in Begeisterung versetzten, haben sich Mother’s Cake gemeinsam mit den Produzenten Stefan Penz, Austin Settle, Florian Horvath, Jan Bohl und ihrem Team ein spektakuläres Visual-Set in eine einmalige Kulisse aus Schnee und Beton gebaut. Es war das bisher wohl aufwendigste und epischste Projekt der Band, in Bild und Ton. Der Video-Zyklus wird nach den im Laufe des Sommers via Youtube veröffentlichten bombastischen Visualisierungen von Hide & Seek, Streetjaman und Gojira über die kommenden Wochen und Monate fortgeführt.

Mit einem abgedreht-sphärischen Intro zwischen Muse und Tame Impala starten Mother’s Cake im Zentrum des Bergisel-Stadions in ihr 45-minütiges Set, um sich nahtlos an dem knapp neunminütigen Jam-Orgasmus Streetjaman vom 2017 veröffentlichten No Rhyme No Reason zu vergehen. Yves Krismer zeigt sich sowohl am Gesang als auch an der Gitarre aggressiver als am Studiooriginal – seine Stimme lässiger und arroganter.
Am Bergisel liegt der Fokus auf der jüngeren Schaffensvergangenheit der Band. Während sie sich 2014 auf Off the Beaten Track an ihrem Erstling Creation’s Finest abarbeiteten, ziehen sie 2018 ohne lästige Unterbrechungen durch Album Nummer 3. Ihre jüngste Hit-Single fern des Mainstream, die ihre Poppigkeit dennoch nicht missen lässt, lassen sie nicht außen vor: The Killer – härter, getriebener, ausgelassener, verspielter und spaciger als im Studio, zudem doppelt so lang. Weiter heizen sie bei minus zehn Grad durch ein dreckiges Hide & Seek samt kongenialen Saxofonpart von Andi Haslacher und Isolation, das auf No Rhyme No Reason untergehen konnte, erst in seiner Live-Darbietung zum Leben erwacht.

Nach dem Triumphzug der No Rhyme No Reason-Tracks hält die 2008 gegründete Band eine Überraschung parat: Mit Blank Soul präsentieren Mother’s Cake nach einer guten halben Stunde ein bislang unveröffentlichtes Stück – einen Blues-Burner, der noch Freude bereiten dürfte. Das Grande Finale ihres Sets begehen sie schließlich mit dem Love The Filth-Kracher Gojira, dem nicht nur Mair an den Percussions einen neuen Vibe verpasst.

Den brisanten Hang zu latenter Massentauglichkeit, den sie auf ihrer letzten Scheibe immer wieder haben aufkeimen lassen, ersticken sie am Bergisel im Keim ihrer wunderschönsten vertrackten Prog- und Psychedelic-Versessenheit. Nachdem sie um den halben Globus getourt sind, brennen die Tiroler ausgerechnet im Herzen ihrer Heimat eine ihrer besten Leistungen in den eisigen Boden und auf Platte – oder wie sie es ausdrücken: „Ursprungsgedanke ohne lästigen Patriotismus, Heimatverbundenheit ohne den übelriechenden Mief falscher Ehrerbietung.“

Mother’s Cake Live

Ein Gefühl von Live at Bergisel bringen Mother’s Cake in den nächsten Monaten auf die Bühne – dann mit Publikum. Ab Mitte Oktober touren sie durch Deutschland, die Schweiz, Österreich und Ungarn. Zuvor spielen sie im September eine Tour durch das Vereinigte Königreich und Irland. Insgesamt stehen bis Jahresende 38 Konzerte an.

14.09.2018 – Indiego Glocksee, Hannover (DE)


15.09.2018 – Rock Am Pferdemarkt, Lingen (DE)


20.09.2018 – Underworld, London (UK)


21.09.2018 – Stramash, Edinburgh (UK)


22.09.2018 – Nice N Sleazy, Glasgow (UK)


23.09.2018 – Stereo, Glasgow (UK)


25.09.2018 – The Bowery, Dublin (IR)


26.09.2018 – Crane Lane Theatre, Cork (IR)


27.09.2018 – The Jacaranda, Liverpool (UK)


28.09.2018 – Bad Apples, Leeds (UK)


29.09.2018 – Independent, Sunderland (UK)


30.09.2018 – The Cluny, Newcastle-under-lyme (UK)


12.10.2018 – Burgschenke, Reutte (AT)


13.10.2018 – Spinnerei, Berne (CH)


19.10.2018 – Le Port Franc, Sion (CH)


20.10.2018 – Sommercasino, Basel (CH)


21.10.2018 – Coq d Or, Olten (CH)


23.10.2018 – Forum, Mannheim (DE)


24.10.2018 – Bastard Club, Osnabrück (DE)


25.10.2018 – Lila Eule, Bremen (DE)


26.10.2018 – Molotow, Hamburg (DE)


27.10.2018 – Bollwerk 107, Moers (DE)


29.10.2018 – Musik & Frieden, Berlin (DE)


30.10.2018 – Museumskeller, Erfurt (DE)


31.10.2018 – Factory, Magdeburg-Neustadt (DE)


02.11.2018 – Chemiefabrik, Dresden (DE)


03.11.2018 – Backstage, München (DE)


09.11.2018 – ppc, Graz (AT)


10.11.2018 – Rockhouse, Salzburg (AT)


15.11.2018 – Werk 21, Zürich (CH)


16.11.2018 – Treibhaus, Innsbruck (AT)


17.11.2018 – Conrad Sohm, Dornbirn (AT)


23.11.2018 – Stadtwerkstatt, Linz (AT)


24.11.2018 – Kino Ebensee, Ebensee (AT)


30.11.2018 – Die Remise, Amstetten (AT)


01.12.2018 – ELLATOHaz, Budapest (HU)


06.12.2018 – Batschkapp, Frankfurt Am Main (DE)


07.12.2018 – Arena, Wien (AT)

Titelbild: Membran
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